Was ist eigentlich ein Domain Name?

07.04.2019  - geschrieben von  in Domain

Die Verwendungsmöglichkeiten für Domains sind schier unendlich.

Bei der Suche nach der Ursache dafür stoßen wir unweigerlich auf eine Frage, die wir schon im ersten Eintrag unseres Leitfadens für Domain Names gestellt haben: Was ist eigentlich ein Domain Name?

Hosts

Es ist Ihnen sicher bekannt, dass es außer Computern und Smartphones inzwischen auch intelligente Toiletten, smarte Kühlschränke, digitale Videorecorder und vieles mehr gibt. Wie der explosionsartige Aufschwung des Internet der Dinge zeigt, kann heutzutage fast jedes Gerät mit dem Internet verbunden werden.

Hierfür muss jedem dieser Geräte eine eigene IP-Adresse zugewiesen werden. Dabei handelt es sich einfach um eine Zahl, über die jedes mit dem Internet verbundene Objekt (bisweilen auch „Ressource“ genannt) durch einen exakten, im Wesentlichen nummerischen Wert identifiziert wird. Dieser bildet die Grundlage für die Vernetzung dieser Geräte. Genauso wie es nicht möglich ist, jemanden anzurufen, ohne seine Telefonnummer zu kennen, können zwei beliebige Computer ohne IP-Adressen nicht miteinander kommunizieren.

Sobald Ihr Computer, Ihre intelligente Toilette oder ein anderes smartes Gerät mit dem Internet verbunden ist, wird es zu einem Host.

hosts.txt

Wenn man früher jemanden anrufen wollte, musste man im Telefonbuch nach dem Namen der betreffenden Person suchen, neben dem dann die Telefonnummer stand. Eine Person, deren Telefonnummer man nicht irgendwo notiert oder im Kopf hatte, konnte man folglich nur anrufen, wenn man ein Telefonbuch zur Hand hatte.

Im Grunde genommen funktionierte auch das Internet in seinen Anfangszeiten ähnlich. Wenn man damals eine Verbindung zu einem anderen Computer herstellen wollte, brauchte man dessen Adresse. Diese Adressen waren zusammen mit den zugehörigen Hostnamen aus dem Netzwerk in einer einfachen Textdatei verzeichnet. Das galt folglich aber auch umgekehrt: Um einen neuen Computer in das Netzwerk einbinden zu können, musste man sich zur Aufnahme in die Liste mit der Stelle in Verbindung setzen, die für die Verteilung dieser Datei an alle Teilnehmer zuständig war. Diese Datei hieß hosts.txtund enthielt die „Hostnamen“ und Adressen aller Geräte aus dem Netzwerk, das bald darauf zum Internet werden sollte.

Das Problem war nun jedoch, dass einerseits diese Datei mit jedem weiteren Computer, der in das Netzwerk eingebunden wurde, immer mehr anwuchs, und der Server, auf dem sie verwaltet wurde, mit der Verteilung der Datei an jeden Computer im Netzwerk irgendwann einmal überfordert sein würde. Andererseits musste für jedes neue Gerät zur Aufnahme in die Datei hosts.txtdas Network Information Center (NIC) kontaktiert werden, und seinerzeit war es noch üblich, dass dessen Angestellte – was heute bei Netzwerkadministratoren kaum noch denkbar ist – irgendwann Feierabend machten oder auch mal im Urlaub waren. Mit der Ausweitung des frühen Internet wurde die Datei hosts.txtso riesig und musste so häufig aktualisiert werden, dass eine neue Lösung gefragt war.

DNS

Das war die Geburtsstunde des Domain Name System (DNS). Das DNS stellt alle Ressourcen im Netzwerk in einer Baumstruktur dar. Auf deren oberster Ebene befinden sich die so genannten Top-Level Domains (TLDs). Denen sind Sie sicher schon begegnet. Top-Level Domains sind beispielsweise .de, .at, .ch, .com, .euoder.net.

Direkt unterhalb dieser obersten Ebene kann jeder einen Namen für eine beliebige gewünschte Ressource (d. h. ein Gerät) registrieren lassen. Davon ausgehend kann in beliebige weitere Unterebenen verzweigt werden. Ein Domain Name besteht dann aus den Namen aller dieser Verzweigungen, die jeweils durch Punkte voneinander getrennt sind.

Wir haben uns beispielsweise in der TLD .netden Namen „gandi“ registrieren lassen und dann die Domain (bzw. genauer gesagt, die Subdomain) wwwerstellt. Diese haben wir dann einem Server zugewiesen, auf dem unsere Website läuft.

Um nun auf unsere Website zu gelangen, braucht Ihr Computer nicht die IP-Adresse dieses Servers zu kennen, sondern muss nur bei einem DNS-Server, einem so genannten Resolver, das Nachschlagen der Adresse www.gandi.net anfordern. Der Resolver wird in der Regel von Ihrem Internetanbieter betrieben, es gibt aber auch öffentliche DNS-Resolver. Wie findet der Resolver diese Adresse? Zunächst fragt er in der Root-Zone nach der Top-Level Domain .net. Dann fragt er die DNS-Server der TLD .net nach gandi.net, anschließend wird der DNS-Server von gandi.net nach der Subdomain www.gandi.net durchsucht.

Um das System leistungsfähiger zu machen, wurde es mit einer Caching-Funktion versehen. Caching bedeutet Zwischenspeicherung, d. h. ein Computer speichert eine von einem anderen Computer erhaltene Information zur späteren Wiederverwendung. In diesem Fall hat möglicherweise ein DNS-Resolver erst vor kurzem die Subdomain www.gandi.netnachgeschlagen. Vielleicht haben Sie selbst oder irgendein ein anderer Benutzer die Website gerade erst vor einer Minute besucht und dabei diesen Resolver genutzt. Der Resolver braucht dann nicht mehr nacheinander in der Root-Zone, bei .netund bei gandi.netzu suchen, sondern kann Ihrem Computer direkt die Adresse liefern, die er im Cache zwischengespeichert hat.

Die DNS-Baumstruktur kann praktisch endlos erweitert werden und eine unendliche Anzahl von Ebenen und davon abzweigenden Unterebenen aufweisen. Dabei genügt es, lediglich einen Domain Name in einer bestimmten Top-Level Domain (.de, .at, .ch, .comoder .netusw.) zu registrieren. Von diesen TLDs gibt es inzwischen über Tausend.

Der Erfinder des ursprünglichen Domain Name System, Paul Mockapetris, wollte, dass sein DNS konsistent ist, um Einheitlichkeit zu gewährleisten, dezentralisiert, um die Skalierungsprobleme zu vermeiden, die beim vorherigen System auftraten, und offen hinsichtlich der Arten von Anwendungen, für die es genutzt werden kann.

Eine Domain ist ein bewusst flexibel konzipiertes Gebilde.

Im letzten Beitrag zum Thema Domains ging es darum, dass eine Domain eine Art Online-Adresse ist (English: https://news.gandi.net/en/2018/01/whats-a-domain-name-i-your-sites-address/). Von der Konzeption her stimmt das auch. Da eine Domain in der Praxis aber mit Webservern, E-Mail-Servern und beliebigen anderen Geräten verknüpft werden kann, handelt es sich hierbei, technisch gesehen, um eine sehr flexible Struktur. Das DNS eröffnet Ihnen eine Fülle von Möglichkeiten. Um diese nutzen zu können, müssen Sie in der Lage sein, die DNS-Datensätze für Ihre Domain in geeigneter Weise zu konfigurieren.

Doch damit geht eine immense Flexibilität einher: Ihr Domain Name kann auf jede beliebige IP-Adresse „zeigen“. Wenn der Server, auf dem Ihre Website und E-Mails gehostet sind, ausfällt oder Sie den Service eines anderen Anbieters ausprobieren wollen, können Sie Ihren DNS-Eintrag entsprechend ändern, ohne dass für die Nutzer ein Unterschied festzustellen ist. Und es kommt noch besser: Über den Datensatz CNAME (ein spezieller Typ von DNS-Datensatz) können Sie Ihren Domain Name auf einen anderen Domain Name zeigen lassen, beispielsweise den Namen einer von Ihrem Hosting-Anbieter betriebenen Domain. Dabei kann dann die letztendlich genutzte IP-Adresse, auf die Ihre Domain zeigt, beispielsweise auf die Adresse eines beim Provider verfügbaren Servers aktualisiert werden.

Das DNS hat als Neuerung dazu beigetragen, dass das Internet eine solche Flexibilität erreicht hat und das Web weit über das hinausgewachsen ist, was sich die früheren Internet-Fachleute, die noch ständig die Datei hosts.txt„hin- und hergeschaufelt“ haben, jemals hätten träumen lassen.

Wie man sieht, ist ein Domain Name weit mehr als nur eine Online-Adresse: Er ist ein flexibler Dreh- und Angelpunkt, um den herum sich all die verschiedenen Ressourcen gruppieren – ob Websites, E-Mail oder andere – die Sie unter einem gemeinsamen Namen vereint sehen möchten.